Sauber: Eine Pipeline für Wacken

Nachhaltigkeit kann so einfach - und auch ein bisschen amüsant - sein
fz-redakteur
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14. September 2017
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Tritt man nach einem tollen Festivalwochenende die Heimreise an, übersieht man ihn leicht, diesen Schmutz. Egal, ob die Berge auf dem Gelände oder der Dreck in der Luft. Bei einem der größten Sommer-Festivals in hiesigen Breitengraden bleibt so viel Müll liegen, wie eine Stadt mit rund 80.000 Einwohnern in einem ganzen Jahr produziert. Naja, und dass der CO2-Ausstoß bei derartigen Veranstaltung entsprechend riesig ist, dürfte mehr als klar sein. Aber man kann etwas dagegen tun!


Engagement & Aufmerksamkeit


Zum Glück hat es sich über die letzten zehn Jahre durchgesetzt, dass auf Nachhaltigkeit geachtet und auch viel darüber gesprochen wird. Veranstalter etablieren Neuerungen und ergreifen Maßnahmen wie die Energieversorgung durch Ökostrom, setzen auf Mülltrennung und fördern die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die für Festival-Besucher im Ticket mit inbegriffen ist. Ein wachsendes Engagement für die Umwelt, aber auch ein soziales Engagement ist zu beobachten.

Zum Beispiel waren die netten Menschen von Viva Con Agua auch auf dem letzten Splash-Festival zugegen und haben Pfandbecher für sauberes Trinkwasser gesammelt! Oder auch die Damen und Herren von Oxfam waren beim Splash und Melt vor Ort und haben für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Thematisch wird hier der Zusammenhang von entwicklungspolitischen Themen wie sozialer Ungerechtigkeit, Steuergerechtigkeit oder auch Nachhaltigkeit und Musik thematisiert. Das klingt nach schwerer Kost. Aber Nachhaltigkeit, so wichtig dieses Thema auch ist, darf und kann auch mal ein bisschen verrückt und witzig sein. Das berühmt-berüchtigte Wacken Open Air hat dafür ein tolles Exempel statuiert: Die eigene Bier-Pipeline!


Wacken macht mobil


Neben ordentlich bestickten Kutten und röhrenden Gitarrenverstärkern gehört auf diesem Festival in Schleswig-Holstein auch eine imposante Menge Bier zum guten Heavy Metal-Ton. Wo die Neuerung nun ist, fragt man sich? Nun, in diesem Jahr haben die rund 75.000 Metal-Fans ihre rund 400.000 Liter Gerstensaft erstmals per Rohrleitung auf das Festivalgelände gepumpt bekommen.

Und es ist nicht nur Bier, was durch die 7 km lange Rohrstrecke geschickt wird. Auch Strom- und Glasfaserkabel und Trink- und Abwasser passen in diese ca. 35 cm dicken Rohre. Eine saubere Sache also! Das gesamte Projekt lässt sich der Veranstalter eine gute Million Euro kosten. Vorteil für alle dabei ist, und damit kommen wir noch einmal auf die Erfrischungsgetränke: Es braucht keinerlei Transportmittel wie LKWs, um tonnenweise Bier anzukarren. Das schont die Umwelt und auch den Boden. Denn weil diese Rohre in 80cm Tiefe verlegt wurden, kann das gesamte Gebiet auch rund um das Festival - Achtung, Spoiler! - beackert werden! Eine gute Nachricht - und in unseren Augen eine tolle Geschichte in Sachen Nachhaltigkeit auf Festivals!
Ob nun Viva Con Agua, Oxfam oder die Bierpipeline in Wacken. All diese Initiativen sind wichtig und gut. Und sie zeigen, dass auch ernsthafte Themen auf einem Festival seinen Platz haben sollten. Denn eigentlich sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz doch ziemlich easy. Keep your festival clean - dann macht es allen doch gleich doppelt so viel Spaß!